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Die Morgenpost von Hainfeld

Knowledge • Discovery • UnderstandingSunday, March 1, 2026Reading Edition

Forscher zeigen in Hainfeld, warum „unruhige“ Lebensräume mehr Arten tragen

Bei einer Feldbegehung zerlegen Ökologen Habitatheterogenität in räumliche und zeitliche Muster — und warnen vor drei häufigen Denkfehlern

WISSENSCHAFT & UMWELT

HAINFE LD — Freitag, 7. Februar 2026

Von Lea Winter

Teilnehmende einer Exkursion folgen einer Biologin in einem strukturreichen Mischwald am Stadtrand von Hainfeld.

Auf einem matschigen Waldweg am Stadtrand von Hainfeld hielt die Biologin Dr. Mira Kessler einen Ausdruck in die Höhe, darauf nur Striche, Kästchen und Pfeile. „Das ist keine Kunst“, sagte sie zu den rund 80 Teilnehmenden einer öffentlichen Exkursion. „Das ist eine Landkarte dafür, wie Vielfalt entsteht — weil ein Lebensraum nicht überall gleich ist und nicht immer gleich bleibt.“

Die Veranstaltung, organisiert vom Hainfelder Naturkundemuseum und der Hochschule Warth, führte die Gruppe durch drei Stationen: einen strukturreichen Mischwald, ein renaturiertes Kiesgrubengewässer mit Inseln und Flachzonen sowie eine Versuchsfläche, auf der Bodenkundler den Untergrund absichtlich „unordentlich“ gestaltet hatten.

Kessler und ihre Kollegen sprachen durchgehend in einfacher Sprache, wie es das Museum angekündigt hatte. Was sonst als Fachwort auftauche, sei hier als Alltagserfahrung gemeint: „Heterogen heißt: nicht überall gleich. Und nicht jeden Tag gleich“, sagte Kessler.

Zwei Arten von „nicht gleich“

Am ersten Halt, zwischen liegenden Stämmen und jungen Buchen, zeichnete Kessler mit Stiefelspitze Linien in den feuchten Boden. Die räumliche Heterogenität — Unterschiede von Ort zu Ort — skizzierte sie als Patchwork.

RÄUMLICH (von Ort zu Ort) [ALTWALD]---[LICHTUNG] | | [BUSCH]----[TOTHOLZ]

Zeitliche Heterogenität — Unterschiede über Tage, Jahre oder nach Ereignissen — beschrieb ihr Kollege Prof. Jaron Velde als „Film statt Foto“.

ZEITLICH (über die Zeit) Jahr 1: ____ Jahr 2: _/ \__ Jahr 3: _/\_ (Störung, Erholung, nächste Störung)

„Beides kann Arten helfen“, sagte Velde. „Aber auf unterschiedliche Weise. Und manchmal auch denselben Arten — nur zu unterschiedlichen Zeiten.“

Mechanismen, die in den Beispielen „sichtbar“ werden

Die Forschenden vermieden Formeln. Stattdessen verwiesen sie auf Spuren, Messpunkte und Beobachtungen aus den letzten zwei Jahren.

(1) Mehr Nischenachsen / Nischendifferenzierung
An einem umgestürzten Stamm zeigte Kessler auf Pilzrasen, Käferfraß und Moos. „Hier laufen mehrere Achsen gleichzeitig: Licht, Feuchte, Holzart, Zerfallsgrad, Höhe über Boden“, sagte sie. „Wenn mehr Achsen im Spiel sind, können sich Arten aufteilen. Nicht jede muss am selben Buffet stehen.“

(2) Refugien & Störungsdynamik (als Idee des ‘Speicherns’ ohne Mathe)
Velde blieb an einer Schneise stehen, die nach einem Sturm geöffnet worden war. „Störungen sind nicht nur Schaden“, sagte er. „Wichtig sind die Rückzugsorte. Wenn es hier hell und trocken wird, bleiben daneben schattige, feuchte Ecken. Manche Arten ‘warten’ dort, bis ihre Zeit wiederkommt.“

Er nannte es „eine Art Vorratskammer über die Zeit“: In ruhigen Phasen baue eine Art Bestände auf, in schlechten Phasen überdauere sie in Restflächen. „Kein Zauber. Nur: nicht alles passiert überall gleichzeitig.“

(3) Mikroklimata
Doktorandin Salma Irić zeigte Messfühler an drei Stellen im Wald: am Weg, im Dickicht, unter Totholz. „Auf fünf Metern können wir zwei bis drei Grad Unterschied haben, plus andere Luftfeuchte“, sagte sie. „Das ist für kleine Tiere und Pflanzen oft wie ein anderer Kontinent.“

(4) Geringere Konkurrenzüberlappung
„Wenn Orte und Zeiten verschieden sind, treffen sich die stärksten Konkurrenten nicht ständig am selben Punkt“, sagte Kessler. Sie deutete auf eine Karte mit Brutrevieren und Futterplätzen. „Ein Teil weicht in andere Fenster aus: morgens statt mittags, Schatten statt Sonne, flach statt tief. Weniger direkte Überlappung, weniger Verdrängung.“

Drei kontrastierende Beispiele — und was stärker steigt: Alpha oder Beta

Die Exkursion war so aufgebaut, dass jede Station eine andere Art von Heterogenität betonte. Die Forschenden markierten auf dem Handout, ob vor allem Alpha (mehr Arten innerhalb eines Flecks/Standorts) oder Beta (größere Unterschiede zwischen Flecken/Standorten) zulegt.

Beispiel 1: Wald-Strukturkomplexität (Totholz, Lichtungen, Schichten)

Kessler nannte den Wald „ein mehrstöckiges Haus“: Kronendach, Strauchschicht, Boden, Totholz.

WALD = mehrere Schichten Kronen: ^^^^ Sträucher: ||| Boden: ____ Totholz: == ==

Markierung der Forschenden: Primär Alpha steigt.
Begründung, wie Kessler es formulierte: „Auf derselben Fläche passen mehr Lebensweisen nebeneinander, weil es mehr ‘Plätze’ im selben Zimmer gibt.“

Als Konsequenz nannte das Team eine Beobachtung aus dem Vorjahr: In einem 1-Hektar-Testfeld mit viel Totholz seien mehr Käferarten gleichzeitig nachgewiesen worden als auf einer gleich großen, „aufgeräumten“ Vergleichsfläche.

Beispiel 2: Riff-/Gewässermosaik (Flachzonen, Inseln, Strömungsrinnen)

Am Kiesgrubensee standen die Teilnehmenden auf einem Steg. Unter ihnen wechselten helle Sandflächen, dunkle Krautfelder und tieferes Wasser.

GEWÄSSER-MOSAIK ~~~~~~~ tief ~~~~~~~ ~~~ (Rinne) ~~~~~~ -- Flach -- Insel ### Kraut ### .. Sand

Markierung der Forschenden: Primär Beta steigt.
Begründung, wie Irić sagte: „Nicht jeder Patch hat dieselben Arten. Aber zusammen sind die Patches sehr verschieden. Die Unterschiede zwischen den Flecken werden größer.“

Velde verwies auf die Störungsdynamik: Nach einem Sommer mit stark schwankendem Wasserstand seien manche Pflanzenbestände zurückgegangen, „aber sie verschwanden nicht komplett“, sagte er. „Sie saßen in kleinen Buchten und kamen im nächsten Jahr wieder.“

Beispiel 3: Bodenheterogenität (Nährstoffe, Körnung, pH, Feuchte)

Auf der Versuchsfläche zeigten Bodenkundler kleine Schilder: „sandig“, „lehmig“, „kalkreich“, „humos“. Die Fläche wirkte wie ein Schachbrett.

BODEN-PATCHES (kleinräumig) [SAND][LEHM][HUMUS] [KALK][NASS][TROCK]

Markierung der Forschenden: Primär Beta steigt (mit lokaler Alpha-Zunahme in Teilflächen).
Begründung, wie Projektleiterin Dr. Nele Brandt sagte: „Jeder Bodentyp bevorzugt andere Arten. Deshalb unterscheiden sich die Quadrate stark. In manchen Quadraten steigt auch Alpha, aber der große Effekt ist: das Ganze wird vielfältiger, weil es mehr unterschiedliche ‘Quadrate’ gibt.“

Brandt zeigte Probenröhrchen mit Wurzelstücken und Insektenlarven. „Wir sehen, dass Artenkombinationen zwischen den Bodenfeldern auseinanderlaufen, obwohl die Felder direkt nebeneinander liegen“, sagte sie.

Gaming-Analogie: Open-World-Map statt Einheitsfläche

Um das Publikum abzuholen, griff Kessler zu einem Vergleich, der bei Jugendlichen in der Gruppe sichtbar zog. „Stellt euch eine Open-World-Map vor“, sagte sie. „Wenn alles nur eine Ebene wäre — nur Steppe, ohne Hügel, ohne Höhlen, ohne Tag-Nacht-Wechsel — dann trefft ihr immer dieselben Gegner.“

Sie zeigte eine ASCII-Skizze, die an eine Spielkarte erinnerte.

OPEN-WORLD-MAP (Biomes/Patches) [WALD] [SUMPf] [WIESE] | | | [HÖHLE]-[BACH]-[FELS] Tag <-> Nacht, Sturm <-> ruhig

„Mehr Biome und mehr Wechsel über die Zeit heißt: mehr Quests, mehr Verstecke, mehr Wege, einander auszuweichen“, sagte sie. „In der Natur sind das Nischen, Refugien, Mikroklimata — und weniger direkte Konkurrenz auf demselben Quadrat.“

Drei typische Missverständnisse — und wie die Forschenden sie auf der Tour korrigierten

Die Exkursion leitete die Gruppe auch durch Aussagen, die Kessler „Küchentisch-Mythen“ nannte.

Missverständnis 1: ‘Mehr Individuen = mehr Biodiversität.’
Ein Teilnehmer zeigte auf einen dichten Brennnesselstreifen und sagte, hier sei „doch total viel los“. Velde antwortete: „Viele Individuen können auch nur eine Art sein. Das sieht nach Fülle aus, kann aber artenarm sein.“

Missverständnis 2: ‘Beta = einfach mehr Arten.’
Vor dem See fragte eine Schülerin, ob Beta „nur die Summe“ sei. Irić widersprach: „Beta ist vor allem Unterschiedlichkeit zwischen Orten. Zwei Buchten können zusammen viele Arten haben — aber wenn es überall dieselben sind, bleibt Beta klein.“

Missverständnis 3: ‘Störung ist immer schlecht und muss verhindert werden.’
Als ein Anwohner sich über „Unordnung“ nach dem Sturm beschwerte, deutete Kessler auf die Schneise und sagte: „Wenn Störung alles plattmacht, ist das schlecht. Wenn Störung Flecken schafft und daneben Refugien bleiben, kann das Vielfalt stabilisieren. Entscheidend ist das Muster, nicht nur das Ereignis.“

Folgen für Hainfelds Pflegepläne

Am Ende der Tour kündigte das Museum an, die Stadtverwaltung berate über neue Pflegeleitlinien für städtische Waldstücke und Ufer. In einem Entwurf, den die Organisatoren verteilten, ist von „gezielten Strukturinseln“ die Rede: mehr liegendes Totholz, wechselnde Mahdtermine auf Wiesen und ein Ufermanagement, das Flachzonen und Krautgürtel nicht überall gleichzeitig schneidet.

Stadtrat Jonas Rehm, zuständig für Grünflächen, sagte am Rande: „Wir bekommen oft Beschwerden, wenn etwas ‘nicht ordentlich’ aussieht. Heute habe ich verstanden, dass Ordnung manchmal Gleichförmigkeit bedeutet — und Gleichförmigkeit kann Arten kosten.“

Kessler schloss mit einem Satz, der auf dem Handout fett gedruckt war: „Vielfalt braucht Platz — und sie braucht Zeit.“

Course
Fortgeschrittene Biodiversität & Naturschutzökologie: Muster, Me
8 units37 lessons
Topics
ÖkologieNaturschutzbiologie / Conservation SciencePopulationsgenetik und EvolutionsbiologieBiogeographieBiodiversitätsinformatik / Datenwissenschaft (ökologische Datenanalyse)Umweltökonomie
About this course

Der Kurs behandelt Biodiversität auf Arten-, Populations- und genetischer Ebene und verknüpft sie mit Anpassungsfähigkeit und Ökosystemfunktion. Räumliche Skalen (Alpha/Beta/Gamma) sowie Turnover vs. Nestedness werden mechanistisch erklärt und anhand von Szenarien interpretiert. Zentrale Diversitätsmaße (Shannon, Simpson, Hill-Zahlen) inklusive Rarefaction/Extrapolation, Unsicherheit und Bias werden quantitativ angewandt; phylogenetische und funktionelle Diversität werden konzeptuell und methodisch eingeordnet. Treiber des Biodiversitätswandels (Landnutzung, Übernutzung, Invasionen, Verschmutzung, Klima) und ihre Synergien werden analysiert. Darauf aufbauend werden evidenzbasierte Schutzplanung, Monitoring, Evaluation und adaptives Management unter Einbezug von Politik, Ökonomie, Ethik und realen Datenworkflows vermittelt.